NICE STORY

Ein schönes friedliches Fest soll es sein. Für ein ganzes Wochenende alles vergessen was einen normalerweise den ganzen Tag beschäftigt. Re-Lax ist angesagt. Entspannung, Freude, nette neue Menschen kennen lernen.

Eine „Pilgerfahrt“ Richtung Festival. Alle von überall her kommend, mit einem „lächeln“ im Gesicht, auf einen Punkt zu fahrend.

Bei diesem Gedanken empfand ich eine Energie, die mir eine wohlfühlende Gänsehaut über den Nacken bis in die einzelnen Glieder fahren ließ. DJ`s, Künstler und andere kennen so ein Gefühl genau, wenn die Menge anfängt den Moooove zu tanzen….

Zur gewissen Stunde kommen Menschen verschiedenster Herkunft, Nationalität, Geschlecht Alter, mit und ohne Kinder immer näher an die Klangquelle heran. Lagsam…. Aber immer immer näher. Es werden decken, ähnlich wie bei einem Picknick, neben der Bewegungsfläche abgelegt. Die Stimmung wirkt sehr freundlich und ein jeder verspürt allmählich wie der Groove der Musik so langsam anfängt die Kontrolle über den Muskelapparat zu übernehmen.

In der Runde sind viele lachende Gesichter zu sehen und auf einmal spricht mich jemand an. In diesem Augenblick merke ich, wie die Musik einen enormen Lautstärkevorschub erhält. Ich kann nicht genau sagen, ob dies tatsächlich stattfand oder ob mein Gehör auf eine sensiblere Stufe geschaltet hatte. Jeder spricht mit jedem und die, die nicht sprechen sondern auf dem audiomusikalischen Weg gehen wollten, waren auf der Bewegungsfläche. Ich konnte sehr gut sehen und fühlen wie diese Gruppe stampfender Menschen in einem Einigkeitsgroove tanzte. Ich beschloss, dass nette Gespräch zu beenden und mich dieser Gruppe anzuschließen. Ich betrat diese Fläche und ging bis in die Mitte, so dass ich von mehreren Menschen umgeben war. Die Musik erschien mir nun nicht nur noch lauter, sondern ich hatte das Gefühl, in einer Art elektronischem Orchester zu sitzen. Es waren Sounds zu hören, die mein Gehör anscheinend einige Minuten zuvor in die Nebengeräuschskulisse gepackt hatte. Ich fing an mich auf die Musik zu bewegen und stellte eine Bewegungseinschränkung in den Beinen fest, so dass es mir vorerst schwer viel Schritt zu halten. Ich bemerkte jedoch sehr schnell, dass ich mit diesem Zustand so ziemlich der Einzige war. Die Menschen um mich herum tanzten nicht zum Groove, Sie waren ein Teil davon.

Mir war sofort klar, dass es unbedingt und zwingend nötig war, mich diesen Menschen anzuschließen. Nach ca. einer halben bis Dreiviertelstunde war es dann endlich so weit. Der Sound trieb die Masse immer intensiver und deeper vor sich her. Es folgten Passagen an denen der Bass ganz verhalte. Trancige Flächensounds und waldähnliche Geräusche waren wahrzunehmen. In diesen Momenten hatten alle zur gleichen Zeit irgendwie ihre Bewegung angehalten und schauten auf. In die Runde. Jeder schaute sich um. Als ich bemerkte, dass ich ebenso orientierungsbedürftig meine augenblickliche Lage überprüfte, begriff ich was geschehen war. Alle, mich eingeschlossen, hatten über eine längere Zeit die Augen während des tanzen zumindest teilweise geschlossen. Jeder schien in dieser Basspause seine augenblickliche Position zu überprüfen. Ich atmete auf. Ich atmete aus. Ich schloss die Augen und ließ mich auf diese neuen weichen Sounds gleiten. Als ich einige Sekunden später zur kurzen erneuten Überprüfung meines Umfeldes die Augen kurz öffnete, sah ich wie alle so langsam die Augen wieder schlossen, wieder auf machten, wieder schlossen. Der Song schien sich in diesem Augenblick wie bei einer Auferstehung wieder aufzubäumen. Es kam ein Gefühl auf, wie ich ihn von der 8ter Bahn kenne, wenn die Kette die Wagen auf den ersten höchsten Gipfel zieht. Dann musste also gleich der Abschuss kommen. Und er kam….

Der Sound wurde lauter, ich öffnete kurz die Augen um den einen Blick zum DJ zu erhaschen. Er schien genau wie alle anderen auf der Bewegungsfläche in dem Sound drin zu stecken, mit dem feinen Unterschied, dass er der jenige war, der all diese Feelings ausgelöst hatte. Und er war auch der jenige, der ohne zu zögern dem ganzen eine Wendung hätte geben konnte. Er tat es aber nicht. Die Musik schoss höher und höher. Ich schloss schnell meine Augen und merkte, dass es jetzt auf einen Gipfel der Gefühle hinaus lief. Mit einemmal setzte der Bass wieder ein und mir war zu schreien, also schrie ich vor Freude. Wie ein Echo vernahm ich andere Schreie um mich herum. Ich öffnete die Augen und sah wie viele Arme in den Nachthimmel ragten und immer mehr Schreie, immer mehr Freude und Bewegung unter den Menschen verbreitete. Was dann folgten waren viele Stunden voller schöner Gefühle mit netten Menschen und magnetisierendem Sound. Erst als die Sonne aufging, verließ ich diese Bewegungsfläche und ging zurück zu meiner Decke, auf der noch einige saßen die ich viele Stunden zuvor verlassen hatte. Ich rauchte eine Zigarette und vernahm eine nette Gesprächsrunde, der ich jedoch aufgrund meines leicht überlasteten Gehörs, nicht folgen konnte. Ich spürte jedoch, dass dies für die anderen kein Problem darstellte. Ich verabschiedete mich und verließ mit einem so langsam schmerzenden Grinsgesicht die Klangquelle um mich auf dem Weg in mein Zelt zu machen. Ich legte mich in meinen Schlafsack und konnte die Musik immer noch hören, wenn gleich sehr viel leiser. Ich fühlte mich Glücklich und konnte das Grinsen nicht abstellen bis mein Geist sich langsam der Gewalt der leisen, in mein Ohr kommenden Sounds entriss.

irgendjemand.

irgendwo.

auf irgend einem Festival....